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E-Scooter aufladen – So viel verdient man wirklich

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Lime E-Roller aufladen, So viel verdient man wirklich

Wie viel kann man mit dem Aufladen von E-Scooter wirklich verdienen?

Aktuell flammt im Netz ein Shitstorm unter allen Facebook  Anzeigen des E-Roller Verleihers Lime auf. Im Moment scheint es mehr Verwirrung bei dem Thema zu herrschen als tatsächliche Aufklärung. Grund ist eine Doku der Youtuberin Hazel , die auf dem Kanal „Pocket Money“, ein Video über das Aufladen von E-Rollern veröffentlicht hat.  Das in der Doku gezeigte, spiegelt auch nicht einmal annähernd die Realität wieder, die man als Lime Juicer selbst erfährt. Ich selber habe im Selbstversuch 7 Tage lang E-Roller geladen und Ausgeliefert und komm zu komplett anderen Ergebnissen.

Das Youtube Video, welches von den Öffentlich-rechtlichen Medien Finanziert wurde, ist hier ein Paradebeispiel, wie man die Denkrichtung zu einem Thema beeinflussen möchte. In der Doku kommt Hazel auf einen fiktiven Stundenlohn von 2,41 €. Schuld daran sind die selbstaufgelegten Rahmenbedingen des Tests schuld. Sie hatte am Anfang komplett auf einen Wagen verzichtet, um die E-Roller einzusammeln, und war dann in Berlin mehrere Stunden unterwegs, um 10 E-Scooter einzusammeln. Später hatte sie dann doch mit einen gemieteten Transporter, die 10 Roller wieder ausgeliefert. Das macht in der Realität keiner so.

So bin ich als Lime Juicer tätig

Ich bekomme mit meinem Skoda Roomster locker 4 bis 5 E-Roller transportiert und brauche dafür abends  ca. 30 Minuten,  um diese auf zusammeln. Mein Arbeitsablauf mit diesen Wagen besteht also aus zwei Einsammeltouren á 4-5 Roller und 2 Auslieferungstouren. Dazwischen wird geladen. Insgesamt benötige ich für 8 bis maximal 10 Roller ca. 3 – 3,5 Stunden. Danach bin ich komplett fertig mit der Arbeit und bekomme so am nächsten Tag von Lime einen Betrag von 32 bis 40 € ausgezahlt. Der Strom kostet pro Rollerladung ca. 0,2 €.  Mein Skoda Roomster verbraucht ca. 6 Liter Sprit auf 100 km in der Stadt. Das sind ca. 0,09 € je Kilometer bei einem Spritpreis von 1,45 € je Liter. In einer Schicht bin ich ca. 30 km unterwegs.  Ich kann je nach Spritpreis, mit ca. 2,70 € je Schicht rechnen.

Beispielrechnung mit 8 Rollern in 3 Stunden:

32 € Lime Verdienst – 1,60 € Strom – 2,70  € Sprit = 27,70 €

Bei einem Zeitaufwand von 3 Stunden,  macht bei mir einen Stundenlohn von ca. 9,23 €. Immerhin mehr als der aktuelle Mindestlohn. Und effektiv unterwegs bin ich 2 Stunden. Die dritte Stunde ist mehr oder weniger Wartezeit bist die Akkus voll sind. In dieser Zeit zieh ich mir ’ne Serie auf Netflix rein.

Beispielrechnung mit 10 Rollern 3,5 Stunden:

  • 40 € Lime Verdienst – 2 € Strom – 3,14 € Sprit =34,86 €

Bei einem Zeitaufwand von ca. 3,5 Stunden, macht das bei mir einen Stundenlohn von 9,96 €. Ein Pizzataxifahren sollte auch nicht mehr haben.

Beispielrechnung für 20 Roller bei 5 Stunden:

  • 80 € Lime Verdienst – 4 € Strom – 6,28 € Sprit =  69,72 €

Bei einem Zeitaufwand von ca. 5 Stunden, macht das bei mir einen Stundenlohn von 13,94 €. Das ist mehr als meine Frau in ihrem Pflegeberuf bei 8,5 Stunden Schichten verdient.

Der gesetzliche Mindestlohn liegt seit 1. Januar 2019 bei 9,19 €.

Ab 8 Roller in einer Schicht kommt man knapp über den Mindestlohn!  Das „Casus Knacktus“ ist die Rollermenge, der Transportwagen, der Spritpreis und Strompreis.  Diese vier Variablen müsste man als Selbstständiger optimieren, um den Stundenlohn zu verbessern. Ein E-Transporter mit eigener Solar-Ladestation und Batterie sollte eigentlich optimal für diesen Job sein. Leider ist unsere Ladeinfrastruktur noch zu rückständig in Deutschland, dass dieser Fall wohl eher selten, bis gar nicht vorkommt.

Diese Beispielrechnungen kann man nur bis zu einem bestimmten Punkt auf andere Fälle Übertragen. Denn täglich ändern sich die Umstände. Die Orte, wo die Roller eingesammelt und ausgeliefert werden müssen, variieren täglich. Es kann also vorkommen, das ich an einem Tag viel weniger fahren muss. Ich bin jetzt in der „glücklichen Lage“, dass genau vor meiner Tiefgarage ein Lime Hub ist und der nächste dann ein paar Schritte weiter ist. An manchen Tagen könnte ich 8 Roller einfach nur raus auf die Straße Schieben und konnte sie sogar auch dort einsammeln. Dann komme ich auf ganz andere Stundenlöhne, die deutlich über den Mindestlohn liegen. An einem Tag konnte ich innerhalb 2 Stunden, 8 Roller versorgen und bin gerade mal 1 Km mit dem Auto gefahren.  Grund war, dass direkt um meinem Haus, viele Roller bei recht hohen Ladestand (über 59 %) zum Einsammeln freigegeben wurden, und ich diese dann einfach zu Fuß einsammeln und ausliefern konnte. So kam ich auf einen Stunden Lohn von über 15 €!

E-Roller an die Lime Base abgeben lohnt sich für mich!

Aktuell ist das Abgeben der Roller an die Lime Base für mich der beste Fall. Ich kann hier also pro abgegebenen E-Roller 3 € verdienen, muss ihn nur in der Lime Base abgeben und muss ihn nicht Laden, oder irgendwo hin ausliefern. Ich benötige hier für 4 Roller ca 1 Stunde und bekomme dafür 12 € ausgezahlt, bin aber keine 20 Km unterwegs. Ich komme so auf gute 10 pro Stunde.  Bei 5 Roller komme ich auf ca. 13 € die Stunde.

Meine Verdienstübersicht als Lime Juicer

Damit ihr auch nicht denkt, das ich euch Bullshit erzähle, poste ich mal die Verdienstübersicht aus der Lime App.

Lime Juicer Verdienst
Screenshot: Lime Juicer Verdienst

Hier seht ihr meine realen werte. Ich habe mich quasi täglich immer mehr an das Limit gewagt und immer einen ähnlichen Zeitaufwand gehabt. Mein Ziel für den Testzeitraum war immer von  21:00 Uhr  bis maximal 0:00 Uhr aktiv für das Lime Juicing unterwegs zu sein. Anfangs habe ich 17 bis 19 Uhr mehr Roller einfach in der Lime Base abgeladen, und war danach weniger Nachts für das eigentliche Lime Juicing unterwegs. Grund war hier, das ich am Anfang von Lime nur vier Ladegeräte zur Verfügung gestellt bekommen habe. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Leiter der Lime Base konnte ich dann meine Ladegerätebestand auf 10 aufstocken.

Fazit

Wer schon selbstständig ist und einen eignen Transporter hat und vielleicht noch eine Halle oder Garage mit Stromanschluss hat, kann sich mit Lime einen Zuverdienst sichern oder zumindest eine kleine beständige Einnahmequelle. Ich sehe diesen Job als eine Gelegenheit mal von einem Schreibtisch zu kommen und mal mit richtiger Handarbeit, mir einen kleinen Zuverdienst zu verdienen. Mehr ist das für mich nicht. Ich würde so einen Job als Hauptberuf nicht in Erwägung ziehen, unter meinen aktuellen Umständen. Diese dusselige Doku von Hazel hat mich dazu angestiftet, der Sache mal wirklich auf den Grund zu gehen. Schockiert bin ich darüber, wie manipulativ die öffentlich-rechtlichen Medien, hier Stimmung gegen ein neues Tansportkonzept machen und die Leute verblöden.

2 Kommentare

  1. 14. September 2019 um 23:23 — Antworten

    Okay, ich setze bei mir den Strompreis eventuell etwas hoch an, dafür vergisst du in deinem Beitrag aber durchaus die Mehrwertsteuer (wenn der jährliche Verdienst über 17500,- Euro liegt). Die drücken dann den Stundensatz noch einmal um 19 Prozent nach unten. Einkommensteuer, Krankenversicherung und die Pflichtversicherungen, die du für die Tätigkeit laut Vertrag abschließen musst, lasse ich mal außen vor, habe ich in meinem Artikel auch nicht in die Rechnung aufgenommen.

    • 15. September 2019 um 19:17 — Antworten

      Jepp, diese Tätigkeit ist definitiv nur etwas für jemanden der schon vorher selbständig war und jetzt eine stabilen Zuverdienst braucht.

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